18.6. 2026; Nootka Sound, Tag 4 cont...
Ein paar Stunden spaeter waren wir wieder gestaerkt und abenteuerlustig unterwegs. Diesmal fuhr ich die Beer-Can-Bay an. Klingt doch gut, oder? Ich hatte dort noch nie gefischt, aber es sind dort in den letzten Tagen gute Lachse gefangen worden. Die Bucht war sehr gross und ich suchte einen guten Anfangspunkt zum Schleppen. Ich wollte dicht am Ufer so in 30-40 m Tiefe probieren. Als wir so ziemlich dicht unter Land das Ufer langsam abfuhren um eine gute Startstelle oder vielleicht sogar ein Futterschwarm zu finden, sah ich ploetzlich einen Riesenschwall im Wasser; 50 m vor dem Boot ganz dicht am Ufer. Ich hielt sofort an und machte die Jungs darauf aufmerksam. Wir starrten zu der Stelle auf die ich zeigte. Es war nichts zu sehen. Hatte ich das nur getraeumt? Oder war da eine Klippe ganz dicht unter der Oberflaeche die nur hin und wieder bei einer Welle mal herausschwappte? Nein, da schwallte ploetzlich das Wasser wieder auf und der Ruecken eine Grauwals kam zum Vorschein. Er zog langsam am Ufer entlang und suchte wohl was Leckeres. Schoen, da hatten wir also doch noch einen Wal zu Gesicht bekommen und noch dazu einen nicht alltaeglichen Grauwal. Er machte aber nichts Spektakulaeres und zeigte uns nicht mal seine Schwanzflosse. Er trollte sich einfach langsam dahin. So liessen wir ihn auch in Ruhe und fuhren zum anderen Ende der Bucht und fingen dort an zu fischen.
Ich war etwas skeptisch mit dieser unbekannten Stelle und es war auch kein anderes Boot in Sicht um uns etwas Vertrauen zu geben. Aber unser Glueck auf diesem Tripp liess uns auch hier nicht im Stich denn ploetzlich sprang Ricardo zu der einen Rute hin und war am Fisch. Es klappt aber auch ueberall wo wir einen Koeder reinhielten, verrueckt! Ricardo drillte einen mittleren Chinook von vielleicht 10 Pfund. Aber der verkaufte sich teuer und Ricardo hatte Spass! Als er ihn am Boot hatte, hakten wir ihn ganz schnell wieder ab. Einen Grossen wollte ich noch haben und der Rest war nur noch zum Spass. Wir schleppten weiter das Ufer entlang und kamen an eine sehr riffige Gegend. Hier war ein regelrechtes Unterwassergebirge und es ging hoch und runter und wir mussten auf der Hut sein unsere Koeder und Downriggergewichte nicht irgendwo festzusetzen. Bisse kamen hier aber keine. Irgendwann schlug ich einfach mal vor hier ein bisschen zu pilken statt zu schleppen. Die Jungs fanden die Idee gut und so bauten wir kurz um.
Ich fuhr uns mitten rein in die Berge und Taeler wo es von 10 m bis zu 50 m Tiefe innerhalb eines kleinen Radiuses alles gab. Hier musste es doch Felsenbarsche und Lings geben! Wir pilkten diesmal zu dritt und liessen den Motor ganz aus. Erstaunlicherweise kamen aber fast keine Bisse. Wir fingen nur 2 kleine Barsche und keine Lings. Dafuer holte aber Alexander in der Seegurkenwertung gut auf und nach vielem Laestern bekam ich schliesslich auch noch eine. Komisch, hier hatte ich mit mehr gerechnet. Dann packten wir wieder ein und ich fuhr uns mal auf die andere Fjordseite zum Coopte Point und Hoiss Point, wo ich mich Tobias und seinem Vater letztes Jahr noch oefter geangelt hatte wenn der Wind bliess. Heute kam der Wind aber genau das Tahsis Inlet runter und machte diese Fjordseite sehr ruckelig. Wir schleppten ein wenig oestlich davon hinter dem Windschutz der hohen Uferfelsen aber fanden hier keine Abnehmer fuer unsere Koeder. Es ging schon dem Sonnenuntergang zu und der Wind legte sich jetzt merklich. Eine Stelle wollte ich noch probieren; San Carlos mit dem kleinen Leuchtturm. Dort hatte Alexander vor vielen Jahren als Kind mal mit seinem Freund Owen einen fetten Ling gepilkt. Vielleicht war an dem Leuchturm-Riff ja ein Nachfolger eingezogen.
So fuhr ich uns wieder zur anderen Fjordseite und setzte uns vielleicht einen Kilometer westlich vom San Carlos Point direkt vor das steil abfallende Ufer und von hier aus wollten wir die letzten 20 Minuten noch bis San Carlos schleppen um dann den Tag mit dem letzten Pilkversuch zu beenden. Um wieder so die 40m Tiefenlinie entlang zu schleppen, musste man sehr nah am Ufer entlang fahren. Manchmal musste man regelrecht aufpassen das die Rute auf der Uferseite sich nicht in ueberhaengenden Aesten verfing. Wir genossen die Abendstimmung und dachten schon darueber nach ob wir nicht noch vom Boot mal ins ziemlich warme Wasser hier springen sollten. Die Bordleiter hatte ich mit. Da zog ploetzlich die Rute vor Alex ab und er war gleich in einen sportlichen Drill verwickelt. Ricardo war noch fasziniert wie sein Bruder drillte und ich musste ihn ermahnen das auch die zweite Rute losruckte. Doppeldrill! Gibtâs ja nicht!
Es waren keine Riesenfische aber beides Chinooks, wieder so an die knapp 10 Pfund schaetzte ich. Wir liessen beide wieder frei. Noch ein Fehlbiss kam gleich wieder hinterher und dann war erstmal wieder Ruhe. Und so zirkelte ich nochmal zurueck zu der vorherigen Bissstelle. Wir waren wirklich nur noch Meter davon entfernt, da wurde die Rute vor Alex brutal runtergezogen. Ich hatte fast Angst der Rutenhalter wuerde brechen bis Alex endlich die Rute raus hatte und die Bremse etwas lockerte. Und dieser Fisch war wohl unter Drogen und legte eine olympiareife Flucht hin. Wow! Ricardo und ich raeumten schnell das Deck und machten alles fuer einen hindernissfreien Drill fuer Alex. Der gewann inzwischen etwas Schnur zurueck. Die Rute war voll gebogen â das war ein grosser Kerl. Alex mag es nicht wenn ich waehrend des Drills von moeglichen Rekordgroessen seiner Widersacher redete und so machte ich es eben extra. Waehrend er hochkonzentriert den Lachs drillte, schwafelte ich ihm was von dem groessten Fisch des Trips ins Ohr, vielleicht sogar ein seltener Tyee (Chinooks > 30 Pfund). Auf jeden Fall ein Monsterfisch! Alex schuettelte nur ablehnend den Kopf; Ricardo machte sich fast in die Hose vor Lachen.
Aber im Ernst, das sah nach einem Grosslachs aus. Er blieb jetzt tief und man konnte seine wuchtigen Kopfstoesse an der Rutenbewegung sehen. Alex gab sich Muehe die Rutenspitze schoen hochzuhalten damit die Rutenaktion diese ruckartigen Bewegungen gut abfedern konnte. Mit der Geflochtenen war die Kraftuebertragung noch viel direkter. Nach und nach kam der Fisch naeher. Die erste lange Flucht hatte ihm viel Kraft gekostet und er war jetzt muede. Ich mag es wenn sich Lachse schnell mit langen Fluchten austoben anstatt gruen zum Boot zu kommen und dann allerlei Bloedsinn am Boot treiben. Wir sahen den Lachs bald zum ersten Mal und natuerlich waren meine Kommentare wieder uebertrieben. Aber letztlich passte der schoene Lachs doch in den Kescher und alles war gut! Wir yahooten laut auf und klatschten uns ab und beglueckwuenschten Alex zu diesem tollen Fisch. Jetzt hatte auch er seinen UE 20 Pfund Lachs auf diesem Trip gekriegt. 86 cm lang und gut im Futter. Der ging noch mit in die Kiste, als Letzter der noch passte. Wow, was fuer ein Fisch und hier am San Carlos Point, praktisch in der Mitte des Nootka Fjordes, Mitte Juni. Das war krass und so unerwartet. Der Blinker war total verbogen und verdreht nach diesem Drill. Da kann man mal sehen was da fuer Kraefte wirken. Wir packten die Lachsruten gleich weg und machten noch 2 Driften ueber das kleine vormalige Ling-Riff am Leuchtturm. Es war aber zumindest heute Abend keiner zu Hause. Zum Abschluss sprangen Ricardo und ich noch kurz ins Wasser und schwammen einmal umâs Boot herum. Eine herrliche Abkuehlung nach einem wieder heissen Fangtag! Zurueck am Resort fingen wir schon mit dem Packen an und verabschiedeten uns von den Nachbarn, die morgen schon um 4 Uhr frueh zurueck nach Gold River booten wollten. Zwischen 10 und 13 Uhr war wieder zu wenig Wasser im Fluss um zur Bootsrampe durchzukommen und so wollten sie vorher durch sein. Wir planten noch ein Morgenangeln so bis 11 Uhr vielleicht und dann Boot packen und gegen 14 Uhr an der Slippe zu sein. Und wir wollten nicht so frueh aufstehen damit der Fahrer nicht uebermuedet war. Danke Jungs!





