4 Angeltouristen vermisst

Genau da liegt mein Problem, auch wenn in sozialen Medien von Laien denen der Unterschied (offshore vs geschützte Bereiche) fremd ist das schnell mal als Forderung kommt.

Aber nehmen wir mal den Tag des Unglücks. Bei uns waren alle Boote unterwegs, nur eben ganz klar nicht offshore.
Zwischen den Schären und im Namsfjord überhaupt kein Problem. Einige hatten die Fjordmündung geplant und sind dann weiter rein, oder wieder zurück zwischen die Inseln wegen zu viel Welle bei Mefaltaren & co.

Kombination aus Wetterbericht lesen und verstehen (und vor allem vielleicht auch respektieren), Kommunikation und Einschätzung durch Guide vor Ort und dann am Ende einfach eine Portion gesunder Menschenverstand mit an Bord.
Es scheint so als hätten sich beide schweren Unfälle in diesem Jahr schon alleine durch jeden einzelnen der o g Punkte für sich alleine vermeiden lassen.

Da können wir auf die Boote an Technik packen was wir wollen, diese beiden Unfälle wären trotzdem so, oder sehr ähnlich passiert.
Das kann ich absolut bestätigen.
Ich habe regelmäßig erlebt, dass Angelgruppen bei absoluten Mistwetter und ungünstigen Tidebedingungen raus fahren, obwohl die Bedingungen ein paar Stunden später deutlich besser gewesen wären. Da frage ich mich dann immer, ob diese Leute sich nicht mit den Wettervorhersagen bzw. dem Tidekalender beschäftigen.
 
Moin.
4 Mann in dem Boot, statistisch 2 übergewichtig, und dann bei der Welle.
Ich wundere mich immer, dass da niemand Angst bekommt, oder ist das uncool?
Als Bootsführer bei unseren Ausfahren, ermahne ich meine Kollegen immer ausdrücklich, mir zu sagen, ob etwas nicht passt.
In der Regel drehe ich aber sowieso bei, dass bei uns auch akzeptiert wird.
Ist einer gegen die Ausfahrt, wird umgekehrt. Na gut, ich bin wahrscheinlich auch ein Schisser :)
ich bin lieber Schisser und am Leben - als Held am Meeresgrund - und wofür das ganze eigentlich - um hinterher Anerkennung und Schulterklopfer zu bekommen oder wegen der paar Fillets?
 
Na gut, ich bin wahrscheinlich auch ein Schisser :)

Lieber 5 Minuten ein Schisser als ein Leben lang tot.
Ich bezeichne das aber lieber als gesunden Menschenverstand und praktiziere das genauso - wenn ich mehr als einmal überlege, ob es noch geht oder nicht, wird abgebrochen bzw. gar nicht erst rausgefahren.
 
Es ist immer wieder traurig das solche Unglücke passieren.
Aber wie ist denn oft? Du buchst die Angeltour lange im Voraus und hast keinen Einfluss aufs Wetter. Dann geht es endlich los und bei Anreise sind alle heiß, wie Frittenfett und der erste Butt ist quasi schon verhaftet.
Oben angekommen ist Schietwetter mit ordentlich Wind und die Ausfahrt nicht möglich. Da ist es dann mit dem gesunden Menschenverstand wie mit den Fischen - an einigen Stellen da und an anderen leider nicht. Ich möchte über niemanden urteilen, aber es gibt eigentlich bei jeder Tour jemanden der meint es besser zu wissen.

Ich sehe aber auch die Betreiber der Anlagen in der Pflicht eine vernünftige Einweisung in Boot und Revier durchzuführen und sich auch zwischendurch mal blicken zu lassen. Wir haben eine Anlage erlebt da war die Einweisung mit „… ich bin kein Angler, der Fisch ist da draußen…“ beendet. In diesem Jahr haben wir auf Vengsøy bei der Einweisung eine kleine Flasche Öl bekommen, weil es zuvor Probleme mit der Lenkung vom Boot gab. „…derzeit wird Offshore (30-35km raus) gut gefangen und bei Problemen schleppe ich euch ab...“. Da hast du keine Worte mehr, wenn das jemand zu dir sagt! Außer in der Zeit, wo Gäste zur Fähre mussten, war unser Betreuer immer betrunken. Der hätte weder uns noch sein Boot im Suff gefunden.

Es gibt zum Glück auch Anlagen mit guter Betreuung. Wenn´s das Wetter nicht zulässt, muss man halt umdrehen oder nicht rausfahren. Und wenn das Camp Mist ist, sollte man da nicht wieder hinfahren.
Jeder muss die Entscheidung für sich allein treffen. Das Wichtigste ist doch, dass alle gesund wieder zu Hause ankommen – das Leben ist keine Generalprobe.
 
Wir halten es so: Jeder hat eine App für das Wetter.
Es wird sich untereinander abgestimmt, wo man hinfahren könnte, entsprechend der Wettervorhersage.
Das alles entscheidende für uns ist aber der Guide vor Ort.
Die letzten 2 Male auf Soroya hat der Guide uns morgens und abends gesagt, was Sinn macht und was gar nicht geht.
Daran halten wir uns.
 
Wahrscheinlich trägt halt auch ein anderer Wandel zu solchen Geschichten bei:

Wie lief es denn bei unseren ersten Touren ab? Die meisten sind doch von einer bestehenden Truppe angesprochen worden das für nächstes Jahr noch ein Platz frei wäre und du angelst doch auch im Süßwasser usw. Wir wurden als einzelne "Neulinge" in erfahrene Truppen integriert und haben dort viel gelernt. Von früher her musste man auch noch vorsichtiger sein (die "erfahrenen" aus der Truppe) weil Boot usw. von vor 20 Jahren noch kein Kverno, Arronet, Oijen usw. standart war sondern irgendein 16 oder 17ft Boot. D. h. die alten Hasen aus früheren Zeiten haben das ganze auch recht vorsichtig weitergegeben. Svissaflua vom Knarrlagsund aus war ne "Offshore-Tour" an die man sich gaaanz vorsichtig herantasten musste (heute lacht man über die 3 oder 4 Seemeilen)... Die Reviere wurden so gewählt das ein geschütztes Angeln möglich war. Man hat sich langsam in Richtung Norden (Nordnorwegen) oder raus an die Westküste Hitras (Kvenvaer, Froja usw.) hochgeangelt, wo Plätze wie Örne usw. schon immer gern angefahren wurden. Oder halt Bergen mit der stabilen Dieselschnecke und Naturköder vor der Haustüre.

Und heute? Da zeigt es in den Sozialen Medien als Angler ein Video von X, Y, Z an, mit den Kumpels verabredet wir fliegen halt da mal rauf und schauen sich das an. Zwei Wochen vor der Abfahrt werden die letzten Infos bequem übers Internet gezogen und ab geht die Reise. Ohne Vorerfahrung, ohne alles...

Früher wurden auch gefährliche Touren unternommen und ist genauso was passiert. Jedoch waren die Möglichkeiten im Vergleich zu heute mehr als begrenzt. Früher musste man sich halt auf den einen Wetterbericht, den befragten Vermieter und auf den gesunden Menschenverstand verlassen. Heute setzt man ne Markierung aus x, y und ballert halt mal drauf los, evtl. checkt man vorher noch die Wetterapps.

Das Hochangeln und Erfahrung sammeln wird heutzutage halt einfach übersprungen und gleich in die vollen gegangen. Wie oft liest man erste Norwegenreise, wie lange dauert es bis nach Grip/Örne/Torskallen/Malangsgrunnen usw. ohne eig zu wissen was so eine Reise bedeutet.

Und immer daran denken, so gut informiert wie die Boardies hier im Forum ist nur ein Bruchteil der Angler dort oben!
 
So ist es.

Nicht zu vergessen dass viele Erfahrungen überhaupt erst zustande gekommen sind, weil die Leute aufgrund von Fehleinschätzungen mit den Launen der Natur Bekanntschaft gemacht haben, dabei einfach Glück hatten und es wieder heil an Land geschafft haben. Hinterher heißt es dann solche Faxen machen wir nicht nochmal.

Ich denke hier könnte so manch einer von solchen Situationen berichten.
 
Vielleicht ist das als maximale Gewichtsbelastung zu verstehen? 🤷🏻‍♂️
In Aufzügen steht ja auch immer drin, bis 10 oder 12 Personen aber wenn man wirklich mit so vielen Menschen da drin wäre wird das ne intime Nummer so voll wäre das dann 😅😅😉
 
Logisch das jetzt darüber diskutiert wird wie man solche Unfälle vermeiden kann,
schade das jetzt wieder versucht wird die Anzahl der registrierten Betriebe zu verkleinern.
Es werden tausende Boote pro Jahr vermietet ohne das etwas passiert, ein oder zwei Fälle reichen aus um alles in Frage zu stellen was Jahrzehnte funktioniert hat.

Ole Michael Bjørndal, technischer Direktor für Industriepolitik bei NHO Reiseliv, sagt, sie hätten schon lange gesehen und darauf hingewiesen,
dass es einen dringenden Bedarf gibt, das Register für genehmigte touristische Fischereiunternehmen zu sanieren.
Er ist der Meinung, dass es viel zu einfach ist, ein anerkanntes Tiefseefischerei-Tourismusunternehmen zu werden.
"Wir haben seit mehreren Jahren mit der Branche mit dem Ministerium darüber gesprochen,

dass wir ein gutes System dafür entwickeln können, bei dem wir sowohl eine Aufräumung des Registers als auch ein Zertifizierungssystem für die professionellen Spieler betrachten", sagt er.
 
Design Category C bedeutet übrigens :
  • Kategorie C („Küstennahe Gewässer“): Dies ist der absolute Standard für die typischen 16 bis 22 Fuß langen Aluminium- oder Kunststoff-Angelboote in Norwegen. Sie sind ausgelegt für Fahrten in küstennahen Gewässern, großen Fjorden und Flussmündungen bei Windstärken bis einschließlich 6 Beaufort und signifikanten Wellenhöhen bis zu 2 Metern.
Ob man aber bei Windstärke 6 und 2m Welle auf´s offene Nordmeer fahren sollte, ist dann wieder eine andere Frage !
 
Design Category C bedeutet übrigens :
  • Kategorie C („Küstennahe Gewässer“): Dies ist der absolute Standard für die typischen 16 bis 22 Fuß langen Aluminium- oder Kunststoff-Angelboote in Norwegen. Sie sind ausgelegt für Fahrten in küstennahen Gewässern, großen Fjorden und Flussmündungen bei Windstärken bis einschließlich 6 Beaufort und signifikanten Wellenhöhen bis zu 2 Metern.
Ob man aber bei Windstärke 6 und 2m Welle auf´s offene Nordmeer fahren sollte, ist dann wieder eine andere Frage !

Die Elan 22 von meinem Kumpel hat B Zulassung und selbst mit der fahren wir bei so einem Wetter/Welle nicht raus. Wie soll man da vernünftig angeln?

Beste Grüße
Axel
 
Die Elan 22 von meinem Kumpel hat B Zulassung und selbst mit der fahren wir bei so einem Wetter/Welle nicht raus. Wie soll man da vernünftig angeln?

Beste Grüße
Axel
genau so isses - fahren geht vielleicht noch aber fischen - sinnlos!
 
Wie soll man da vernünftig angeln?
Exakt !
Aber das ist dann auch wieder so ein Punkt, der vorher oft gar nicht beachtet wird !
Die Diskussionen, wenn überhaupt, drehen sich nur darum, ob man rausfahren soll.
Gibt häufig Situationen, da mag es womöglich noch recht ungefährlich sein rauszufahren.
Welle und Strömung machen aber ein "vernünftiges" Angeln unmöglich.
Mit Revierkenntnis, Angelerfahrung und ein wenig gesunden Menschenverstand, hätte man das erahnen können.
Also erst gar nicht das Risiko eingegangen, sich da auf´s Meer zu wagen !!
 
Wenn man Boot fahren kann und weiß wie man bei unterschiedlichen Situationen vorgeht , dann könnte man vielleicht aber guckt dann doch lieber aus dem Fenster !!!
Bft 6 sind 12 m/s da bleibt man schön zu Hause , und auch bei viel weniger mit 5,7m Boot ,4 Angler +Angelgerät und dann vielleicht auch noch Fisch , da wird es ja schon bei glatter See gefährlich .
 
Meine Erfahrungen aus den über 20 Jahren Norge sind, wenn schlechtes Wetter ist, sind die Fänge meist sowieso nicht gut, weil man nicht kontrolliert angeln kann und nur so über die sons guten Stellen hinwegfegt.
Wenn ich auf dem Boot wegen der Schaukelei nicht freihändig stehen kann, dann macht es keinen Sinn.
 
Oben