12.4. 2026; Victoria
April, endlich war die Heilbuttsaison eroeffnet! Vor nicht mal ganz vielen Jahren war die Heilbuttsaison in BC von Februar bis Ende Dezember und die Entnahmequoten sehr grosszuegig. Viel hat sich in den letzten Jahren geaendert; einmal umweltmaessig aber vorallem politisch. Im gesamten Nordpazifik nimmt die Heilbuttmenge etwas ab und das schon seit etwa 10 Jahren. Irgendwie kommt es kaum noch zu erfolgreichen Fortpflanzungsereignissen. Die heutige Biomasse stammt hauptsaechlich vom 2016 Laichereignis. Die Wissenschaftler kratzen sich nur am Kopf – man weiss halt wenig ueber die Lebensweise und Fortpflanzung von Heilbutten. Kein Geld und keine Resources da um das zu erforschen. Aber Hauptsache der Mensch fliegt um den Mond und dann zu Mars – wir haben ja sonst nichts zu tun auf der Erde! Jedenfalls hat die zustaendige Heilbuttkommission (US und Kanada) jedes Jahr die Fangquoten gekappt, was natuerlich auch an uns Angler weitergereicht wurde. Dann haben die Indianer seit Trudeau’s Regierung mehr Rechte bekommen und einen groesseren Anteil an der kommerziellen Buttfischerei eingefordert und erhalten. Das kam natuerlich auch aus der gesamten kanadischen Quote und damit teils von Anglern. Daher haben wir seit Jahren ein sich jaehrlich aenderndes Maximalmass und Mengenbeschraenkung von einen Butt pro Tag. Soweit koennte man ja noch als Buerger und Angler folgen. Diesen Winter waren die Verhandlungen der Heilbuttkommision dann komplett eskaliert als Trump seine Delegation mit speziellen Instruktionen ausgestattet hatte – die USA akzeptiert keine Quotenreduktion, egal ob wissenschaftlich gefordert; Kanada hat jegliche Reduktionen im gesamtem Ostpazifik alleine zu tragen oder es gibt Zoelle auf alle kanadischen Meeresprodukte. Da sind die Kanadier mal wieder eingeknickt und das Endresultat war, das wir kanadischen Angler 2 Monate spaeter anfangen auf Heilbutt zu fischen.
Fuer den Grossteil der BC Kueste ist das ertraeglich weil kaum einer im Februar oder Maerz auf’s Meer angeln geht; in Nord und Mittel BC ist dann noch tiefster Winter und die Lodges, Resorts und Guides haben da noch geschlossen. Allerdings hier am Suedzipfel von Vancouver Island, vor Victoria und Sooke, sind Februar und Maerz bedeutende Buttwochen. Einmal ist es hier mild und kein richtiger Winter und man kann an windstillen Tagen praechtig auf’s Meer rausfahren, und zu anderen, im Februar und Maerz herrschen oft zur Buttangelei in der JDF Strait die notwendige Gezeiten-und Stroemungsverhaeltnisse. Wie ich schon oft hier berichtet habe, brauchen wir hier in der JDF Strait stroemungsberuhigte Gezeiten um sicher in 100m Tiefe ankern und dann auch fischen zu koennen. Ohne das kommt man hier schwer an die Heilbutte heran. Das kennt Ihr vielleicht von den norwegischen Straumen. Daher ist hier im Sueden bis Juni traditionell die Hauptbuttsaison. Somit haben wir dieses Jahr schonmal 30% der Saison eingebuest.
Letztes Wochenende war dann endlich die Saison offen und die Gezeiten guenstig. Mein Freund Graham nahm sich schon den Freitag frei und fuhr mit einem Kumpel zu den Buttgruenden. Er hielt mich uebers Handy am Laufenden waehrend ich im Buero festhing. Sie fingen am Ende ihres Trips einen 122 cm Butt der leider 10 cm uebers Mass war und wieder schwimmen durfte. Ich wollte nun auch unbedingt teilhaben an der Action, doch Samstag war windig. Sonntag sah es dann besser aus und nichts hielt mich mehr zu Hause. Graham beschloss mich zu begleiten um seinen Semi-Fehlstart vom Freitag hoffentlich auszubuegeln. Ich holte ihn um 8:00 Uhr ab und eine halbe Stunde spaeter war das Boot im Wasser. Den Haenger musste ich auf der Strasse parken weil so viele Boote schon unterwegs waren. Alle waren heiss auf die ersten Butte der Saison! Wir duesten zum Mudhole wo die Stroemung uns ein geraeumiges Zeitfenster von 9-15 Uhr gab. Der Wind sollte ab 14 Uhr kraeftig werden – da wollte ich spaetestens fertig sein. Vielleicht kriegten wir ja auch 2 Butte innerhalb einer Stunde und konnten dann noch Lachsangeln gehen? Beim Buttangeln weiss man nie; da ist von Schneider bis Volltreffer immer alles moeglich!
Aber erstmal mussten wir einen Ankerplatz finden. Auf dem weitlaeufigen Mudhole-Plateau waren sicher schon 30 Boote verstreut am Anker vertaeut. Man soll ja auch nicht zu nahe kommen um nicht etwa Ankerleinen oder Angelschnuere zu verfangen – was schnell passiert wenn die Stroemung dreht und jeder an seiner langen Ankerleine umschwingt. 100m Abstand ist als Minimum gefordert. Idioten gibt es natuerlich immer wieder. Wir fanden eine Luecke und machten uns fest. Wir hatten ein feines Koederbuffet mitgebracht. Ich machte einen Hering-Oktopus-Cocktail an meine Haken und Graham Hering plus Lachreste. Noch Butt Juice Duftstoff dran und ab gingen die Duftbomben zum 103m tiefen Grund. Und um auch wirklich die Butte zu unserem Boot zu locken, liess ich noch einen Duftsack mit allerlei Fischresten am Downrigger zum Boden. Dann hiess es warten.
Das Schoene – meine Jungs sagen oft das Langweilige – an dieser Jahreszeit ist auch das man beim Natuerkoederangeln kaum Dornhaie antrifft die einem staendig die Koeder zerfleddern und einem einen Muskelkater vom Kurbeln verursachen. Die grossen Haischwaerme kamen erst ab Juni hier durch. Auch daher bevorzugen die Buttangler hier die fruehen Monate. Graham und ich machten es uns bequehm und ich bekam nochmal die aergerliche Geschichte vom Freitag vorerzaehlt. Dann sah ich einige verdaechtigen Rucke an Graham’s Rute und als er ankurbelte war die Rute maessig krumm. War das ein kleiner Butt oder vielleicht nur ein grosser Dornhai? Graham tippte auf Hai weil die buttmaessigen Hammerschlaege in der Rute ausblieben. Aber wir werden es nie wissen denn der Kontakt ging irgendwann verloren. Na gut, jemand hatte unser Buffet da unten gefunden – dann sollten die Butte nicht mehr weit sein.
Aber es passierte eine halbe Stunde nichts mehr. Ich erzaehlte gerade von meinen Jungs als ich im Augenwinkel ploetzlich meine Rute heftig wippen sah. Das war Butt, keine Frage. Ich kurbelte sofort dagegen und die Rute blieb stark gekruemmt – der hing! Waehrend ich noch etwas weiterkurbelte, machte mir Graham den Gimbal um und erst dann holte ich die Rute aus dem Halter. Jetzt liess sich der Fisch bequehm drillen. Aber es war wohl ein Kleiner denn der Widerstand hielt sich in Grenzen. Trotzdem freuten wir uns auf den ersten Butt der Saison. Als ich ihn hochgepumpt hatte, schlug ihm Graham das Gaff in den Kopf und zerrte ihn herein. Natuerlich fiel er ab vom Gaff und machte eine Riesenschweinerei im Boot. Aber wir lachten und freuten uns ueber den Erfolg. Schnell wurde der kleine Kerl versorgt und dann machte ich meine Rute auch schnell wieder startklar. Besonders kleinere Butte kamen nie alleine.
Und tatsaechlich zog vielleicht 20 Minuten spaeter wieder meine Rute hart an und wippte stark los. Wieder kurbelte ich in den Biss rein und wieder blieb was haengen. Es bahnte sich das exakt gleiche Spiel an und Graham freute sich schon auf’s Lachsangeln denn mit 2 Butten waeren wir ja fertig gewesen. Aber es sollte diesmal anders kommen – ein harter Ruck in der Rute und ploetzlich war der Kontakt weg. Ausgeschlitzt. Ich liess sofort das Geschirr wieder runter denn oftmals kommt der Butt zurueck wenn er noch nicht verschreckt und allzulang gehangen hatte. Aber der hier hatte schon eine Minute oder so den Haken gespuert und war nicht mehr zu ueberreden. Schade. Aber dann wieder waere es wahrscheinlich wieder so ein 80-85 cm Kleiner gewesen und so hatten wir noch die Chance auf was Groesseres. 112 cm war das Maximialmass dieses Jahr – etwa 40 Pfund.
Aber nun passierte lange nichts mehr. Nach Mittag nahm der Wind schon zu obwohl das erst fuer etwas spaeter angesagt gewesen war. Wir machten uns schon auf einen maessigen Saisonstart mit nur einem kleinen Butt gefasst, da riss es ploetzlich brutal an meiner Rute. Wo sonst!? Graham schuettelte nur den Kopf aber war trotzdem total aufgeregt. Ich kurbelte an aber das ging praktisch gleich in die Bremse denn der Fisch zog schon hart ab. Als ich den Gimbal an hatte, nahm ich die Rute auf und fing noch eine Flucht ab. Na, ob der mal nicht zu gross waere? Graham hatte grosse Bedenken und ein Dejavu vom Freitag. Er fuehlte sich definitiv schwerer an als die ersten beiden und nahm auch im Mittelwasser noch zweimal ein Stueck Schnur zurueck. Allerdings schaffte er es nicht mehr zum Grund zurueck. Wird knapp, schaetzte ich. Auf jedenfall ein schoener Fisch und feiner Drill! Als er dann auftauchte, fiel mir zuerst auf: nur der Trailerhaken hing knapp vorne im Maul. Also viel laenger hielt der nicht mehr! Graham meinte er waere zu gross – wenn auch nicht viel. Ich war mir nicht so sicher – ich dachte er koennte passen. Das musste ganz knapp um die 112 cm sein. Graham hatte die Harpune bereit aber erst legte er nur den Harpunenschaft neben den Butt ins Wasser denn ich hatte eine 112 cm Markierung am Schaft. Aber es war schwer abzumessen – es war mittlerweile schon gut wellig und als Graham einmal den Butt mit dem Harpunenstiel beruehrte tobte der Fisch los wie wild und spritzte uns beide nass. Nach besten Messen und Gewissen entschieden wir beide dann dass der passen muesste. Lange konnten wir nicht mehr herumfackeln denn der Haken hielt nicht mehr lange.
Graham stach also zu und wir schleppten den Butt ins Boot. Bange legte ich ihn ans Massband – 111 cm. Wow! Jetzt yahooten wir erleichtert und klatschten uns ab. Fantastisch! Besser ging es ja gar nicht! Wir versorgten den Fisch und dann packten wir auch schnell ein, holten den Anker ein zu kaempften uns durch die Wellen zurueck. Das war wirklich letzte Eisenbahn gewesen. Wir grinsten von Ohr zu Ohr. Am Dock schnitt ich schnell die Filets von den Rippen – die naechten Angler warteten schon auf den Schlachttisch. Heute hatte es bei vielen gerappelt. Ein toller Start in die Buttsaison und unsere Familien duerfen sich wieder auf schoene Buttgerichte freuen!

