Manuel Neuer ist das beste Beispiel
Manuel Neuer – noch so ein Beispiel. Es war von vornherein klar, dass im Vorfeld der WM eine Torhüterdiskussion aufflammen würde. Der grundsolide, aber international unerfahrene
Oliver Baumann wurde nur deshalb Nummer eins, weil Neuer vorerst zurückgetreten war und dessen Vertreter
Marc-André ter Stegen sich ständig verletzte. Dass Neuer ein mögliches Comeback nicht immer explizit ausschloss, befeuerte die Frage, ob Baumann wirklich gut genug sei. Das Neuer-Lager beim FC Bayern, Fußballexperten vieler Couleur und die Medien gossen Öl ins Feuer. Kein Wunder: gute Geschichte!
Es hätte zwei Wege gegeben, diese Debatte schnell zu beenden: Neuer proaktiv und schnell zurückzuholen oder Baumann eindeutig und endgültig den Rücken zu stärken. Nagelsmann entschied sich gegen beides und ließ den Kessel köcheln. Baumanns Formkurve zeigte gleichzeitig nach unten – war er verunsichert? Neuer spielte eine Topsaison. Und Nagelsmann? Sah zu.
Lebenszeitverschwendung im ZDF-Studio
Mehr noch: Vergangenen Samstag setzte er sich ohne Not ins "Aktuelle Sportstudio" im
ZDF, wand sich aber bei allen Fragen nach Neuer und Baumann wie ein Aal, redete viel und sagte wenig. Der Auftritt geriet zur Lebenszeitverschwendung für alle Beteiligten. Keine 48 Stunden später sickerte ungeplant durch: Neuer kommt zurück, Baumann wird zur Nummer zwei degradiert. Der DFB surft nicht auf der Welle, sondern er paddelt hektisch hinterher.
Das nächste Kapitel folgt am Donnerstag. Hätten der Verband und sein wichtigster Übungsleiter alle Nominierten, deren Entourage und deren Klubs darauf eingeschworen, die Namen der 26 WM-Teilnehmer für sich zu behalten, könnte sich Nagelsmann auf das Podium seiner Pressekonferenz setzen und hätte etwas zu verkünden: "DAS sind meine Spieler. DESHALB habe ich sie ausgesucht. WEIL sie so gut, so wichtig, so außergewöhnlich sind." Er hätte eine Wohlfühlgeschichte erzählen können.
Stattdessen werden am Donnerstag nicht die 26 Auserkorenen die Erzählung sein. Die meisten Namen kennt Fußball-Deutschland ja nun längst. Nagelsmann wird nach den Zurückgelassenen befragt werden. Den Ausgebooteten. Den Verstoßenen. Er wird sich rechtfertigen müssen, in die Defensive geraten. Das hätte er einfacher haben können.