Sturmtag hier in Ostgrönland. Auf dem Festland bis 42 ms, hier bei uns auf der Insel "nur" 27 ms. Keine Arbeit auf dem Eis sicher möglich.....
...... also endlich mal wieder Zeit um hier einen Zielfisch unter die Lupe zu nehmen. Einige sind ja noch unerwähnt. Ein ganz wichtiger ist der Köhler.
Bei Köhler hat sich auch der Konsumname Seelach etabliert. Da wir ja aber Angler sind und nicht im Fischgeschäft bleibe ich nachfolgend bei Köhler.
Er ist ein Fisch den ich als unterbewertet ansehe. Dadurch, dass er aktuell noch recht einfach zu fangen ist, und häufig einen größeren Anteil des Fanges ausmacht (gerade bei den Kollegen, die nicht spezifisch Fischen) ist er manchem nicht unbedingt der Lieblingsfisch.
Ließt man in historischen Berichten, dann war ja aber auch der Lachs in Norddeutschland mal Armeleuteessen. Also hat der Köhler bestimmt auch noch die Chance auf etwas mehr Anerkennung in der Zukunft.
Anglerisch gibt es an ihm jedenfalls ja wohl nichts auszusetzen. In der Regel sind es große Köhler, die in der ersten Flucht einen Heilbutt vorgaukeln können. Und Offshore flach geworfen sind Köhler im Sommer fantastische Kämpfer am leichten Gerät. Da kann kein Dorsch mithalten!
Häufig stehen Köhler allerdings tiefer. Häufig sind bei uns 80-120 die Tiefen in denen sich die Suche lohnt. Ausnahmen bilden oft die Havsei, die eine Art Gegenstück zum Skrei darstellen könnten. Also quasi Hochsee Köhler, die man gelegentlich an den Außengriffen an den Haken bekommt. Sie stehen selbst im Winter und Frühjahr oft flach (meistens aber über tiefem Wasser). Sie sind schlank und extrem kampfstark. Ich hatte dabei schon Schwärme mit Schnittgröße 110-120 cm. Vom Gewicht her natürlich entsprechend etwas bescheidener als ein Köhler vergleichbarer größer, der als Pelletfisch unter der Lachsfarm steht 😂
Später im Sommer kommen auch die "normalen" Köhler häufig flach. Wir hatten letzten September häufig metrige Köhler, die auf Sicht unter dem Boot gebissen haben. Den ganzen Sommer über lassen sich gute Köhler beim Werfen vom Boot erbeuten, mal mehr, mal weniger.
Jedenfalls, erstmal gehakt, nimmt ein guter Köhler durchaus einiges an Schnur von der Rolle und liefert anglerisch mehr Show als die meisten anderen Zielfische in Norwegen.
Unser Camprekord liegt bei immerhin über 20kg (ausgeblutet). Fische über 15kg sind aber schon außergewöhnlich.
Für die Küche mag ich persönlich die 5-kg Größe am liebsten - ordentliche Filets, ohne zu grobes Fleisch.
Der Name Köhler bezieht sich auch auf die graue Farbe des Fleisches. Auch im englischen wird er als "Kohlenfisch" bezeichnet.
Für mich ist er ein typischer Bratfisch, der im Eimantel, pur, oder leicht gesalzen eine einfache und leckere Mahlzeit abgibt.
Er lässt sich gut Filetieren, ist relativ selten von lästigen Nematoden befallen und von der Qualität über das Jahr gesehen deutlich zuverlässiger als beispielsweise der Dorsch.
Insgesamt irgendwie ein unspektakulärer Fisch, der eigentlich optisch und vom Kampfgeist her eher zu den top Stars zahlen sollte.
Ich habe schon öfter Berichte gelesen, dass Köhler nach langem (und falschen?) einfrieren tranig geschmeckt haben soll. Allerdings habe ich mittlerweile schon Horrorgeschichten zu so ziemlich jedem Norwegenfisch in Sachen einfrieren gelesen.
Ich persönlich bevorzuge ihn als Bratfisch noch vor Dorsch und Pollack. Aber das ist natürlich ganz klar individuelle Geschmackssache!
Gibt es hier vielleicht Mitleser die schon Köhler gefangen haben? 🤔😂
Her mit den Stories, Legenden, Gedichten, Lobes - und Schmähhymnen!