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Alles anders, Hasepups wie immer: Die Helgebleikja-Chroniken

sondern zäh wie geschmolzener Käse über die Windschutzscheibe tropft.
Von den Schweizer Michelin Sterneköch-innen lernt man: mit Weisswein wird der Käse deutlich flüssiger, dem kann man mit Stärke entgegenwirken.
erlitt derweil eine spontane, medizinisch völlig unerklärliche Fehlfunktion ihres Nasen-Rachen-Raums
Das ist wie mit dem Ölstand: der Ouzo Level kann nach der Griechentortur zu hoch oder niedrig sein :a055:
 
Bei euch ist immer was los, selbst wenn nichts los ist.
 
bitte mehr davon, der Schreibstil ist der Hammer :-)
eine gute Fahrt und entspannte Fahrt noch, damit ihr mit dem Schreiben weitermachen könnt :-)
 
Dieses Jahr geht es für uns in das Ferienhaus "Helgebleijka" bei Bømlo.
da habt ihr euch ein sehr schönes Haus ausgesucht; sehr nette Vermieter-Familie, gute Boote und ein, für Südnorwegische (und Borks) Verhälnisse, erstklassiger schwimmender und überdachter Filetierplatz/Bootssteg - ich wünsche viele schöne Stunden auf der Mini-Insel und bei den Ausflügen in der Umgebung, ob mit oder ohne Angel

VG Ronny
 
Hallo Vinny, ich liebe diesen Humor.
Mach weiter so und ich kommen aus dem Lachen nicht mehr raus.
Gut daß du ab und zu dich mit Angeln und Bier trinken ablängst.
Ich wünsche Euch einen schönen Urlaub und viel mehr Erfolg beim Angeln als es uns passierte.

Gruß Bobo
 
Angekommen an der Fähre. Nun heißt es Warten. Dieses typische Hafen-Stand-by, bei dem die Zeit nicht verstreicht, sondern zäh wie geschmolzener Käse über die Windschutzscheibe tropft.
Ich nutze die Zeit, um das soeben erlebte für die Nachwelt festzuhalten:

Mein Mann schaltet sofort in den Reptilien-Modus: Beifahrersitz auf schmerzfreie 170 Grad gekurbelt, Basecap tief ins Gesicht gezogen und augenblicklich weggedöst. Schnarch-Frequenz: unauffällig. So weit, so gut.

Hasepups, eben noch motiviert auf dem Fahrersitz, erlitt derweil eine spontane, medizinisch völlig unerklärliche Fehlfunktion ihres Nasen-Rachen-Raums. Kein Geschmack, kein Geruch – weg. Einfach so. Ihre wissenschaftlich fundierte Selbstdiagnose verlangte nach nur einer einzigen, unaufschiebbaren Rettungsmaßnahme: Ich muss mich flach auf den Rücken legen.

Einziger Haken: Ich belegte zu diesem Zeitpunkt in aller Seelenruhe die Doppelsitzbank hinten. Als herzensguter Mensch sage ich natürlich: „Klar, komm nach hinten, kannst dich hinlegen.“

Ein kurzes, akustisch von leisem Fluchen begleitetes Gewusel später sitzt sie neben mir. Und da zeigt sich wieder die reine Physik: Trotz ihrer wirklich lachhaft geringen Körpergröße reichte ein einziger Sitzplatz zum flachen Niederlegen schlichtweg nicht aus.

Erneutes Gewusel im Innenraum. Ich opfere mich, zwänge mich in einer anatomisch hochgradig bedenklichen Bewegung mit dem Allerwertesten voran zwischen den Sitzen durch nach vorne und lasse mich auf den Beifahrersitz plumpsen. Es bleibt bis jetzt völlig offen, ob ich mich dabei für immer verkantet habe oder ob mich die Feuerwehr irgendwann aus diesem Mercedes schneiden muss.

Währenddessen versucht Hasepups da hinten auf gefühlten 0,438 Quadratmetern ein liegendes Wendemanöver. Ich beobachte das Spektakel im Rückspiegel und bewundere gerade ihre beachtlichen, fast schon schimpansenhaften Fähigkeiten, sich mit den bloßen Zehen an einer Wasserflasche festzuklammern – als plötzlich ein Schrei die Stille des Color-Line-Terminals erschüttert.

Ein Krampf. Aber kein normaler. Ein Todeskrampf in ihrer Wade.

Was folgte, war ein Drama in drei Akten: Roter Kopf, verzerrtes Gesicht, ein hohes Winseln, gefolgt von einem leisen Quietschen. Hasepups hing kopfüber und völlig hilflos halb vom Sitz.

Nun gab es zwei Optionen.
Option A: Ich spiele die mitfühlende Freundin, leiste Erste Hilfe und dehne ihr Bein.
Option B: Ich bleibe sitzen und feiere diesen Anblick aus tiefster Seele.

Habe mich für Option B entschieden und tränen gelacht. Man muss die Feste schließlich feiern, wie sie fallen – auch wenn die Freundin dabei aussieht wie ein gestrandeter Klappstuhl.

Hasepups kaut jetzt nervös eine magnesium Tablette nach der anderen und klagt über die Nachwehen im Unterschenkel-Triebling.
...sollte ich ihr sagen, dass ich meine letzten reisetabletten in eben diese magnesium-tabletten dose gepackt habe....? :a055:
… ich finde es sehr schön, dass Dich die Admins vom NAF für die Hauptzeit des Sommerlochs wieder engagiert haben👍
Schade finde ich es, dass Hasepup‘s bester Ehemann von allen nicht mitdurfte, ein Berichtsereignis weniger … Ich wünsche
Euch viel Spaß, dicke Fische und für uns weiterhin witzige Berichterstattung! Wenn nun die „Reisetabletten“ alle sind, welche
Schreibstilaufheller nimmst Du dann?😁
 
Moin zusamme,
Gestern war eigentlich "nur" Anreise. So ein Tag, an dem man sich kilometerweise durch die Landschaft schraubt und hofft, dass das Auto nicht wieder spontan eigene Entscheidungen trifft.
Wir verließen den Campingplatz gegen 10 Uhr und steuerten zielgerichtet Egersund Downtown an. Dort gab es in einem Kiwi-Markt einen "Kanel Snurren". Bilder bei Google versprachen Kaffee, was den Laden für mich umgehend auf den Status eines absoluten Must-Visit-Place katapultierte. Außerdem klingt der Name einfach knuffig.
Zusätzlich gab es dort laut einer Rezension von Klaus-Dieter_Kurbelwelle58 die absolut weltbesten Zimtschnecken. Ein verrückter Zufall. Man muss sich das mal vorstellen: Unter all den Myriaden von Backstuben auf diesem Planeten haben wir durch reines Schicksal genau die eine in Egersund erwischt, die das weltbeste Zimtgebäck fertigt. Was haben wir für ein unverschämtes Glück.

Nach einem klein en Frühstück und einer IKEA-Tüte voll weiterer Snurren-Gebäcke im Gegenwert eines gepflegten Neuwagens für Hasepups fuhren wir entspannte 3½ Stunden weiter zum Haus.

Nach der ersten Fähre auf der E39 passiert man die Insel Ognøy. Dort befindet sich der Badeplatz "Ognahabn". Und zu dessen Geschichte haben mein Mann und ich über die Jahre unsere ganz eigene, historisch absolut wasserdichte Theorie entwickelt:
Es war nämlich so, dass bereits zur Wikingerzeit ein deportierter Mönch - Bruder Nepomuk, der Unwillige - aus England zu diesem Ort schrub, dass dies ein ehemaliger Handelsplatz für Ognas sei.
„Und so begab es sich, dass jene furchtlosen Entdecker in den rauhen Gefilden der Insel Ognøy auf eine gar wundersame Spezies stießen. In Ermangelung jeglicher Brücken zur Außenwelt hatte sich dortselbst eine Kreatur herausgebildet, von wundersamer Gestalt: Gar groß, plump und von unerschütterlicher, roher Kraft geschlagen. Ein Geschöpf, geschaffen für die Unwirklichkeit dieser Felsen.“
Was genau so ein Ogna nun ist, erfährt man freilich erst, wenn man eigenhändig zum Ognahabn schreitet, um sich ein solches Exemplar zu erwerbenn. Mein Mann und ich sind uns jedoch vollkommen einig: Der Ogna ist durchweg schwimmfähig, ansprengsicher und vor allem amagnetisch. Man will ja gerüstet sein.
Naja, schlussendlich kamen wir am Haus an. Die Vermieterin nahm uns in Empfang und absolvierte eine wirklich erfrischend kurze Übergabe am Bootssteg.
Boot: Motor, Lenkrad, kein Leck.
Haus: Tür, Bett, Dach – ebenfalls ohne Leck. Pragmatismus auf Skandinavisch, ich liebe es.

Beim Beladen des Bootes habe ich allerdings direkt eines meiner sieben Katzenleben eingebüßt. Ich trat beim Betreten auf eine nicht befestigte Kiste des Øien-Bootes. Das Biest kippte blitzartig nach vorne weg und ließ mich so ungünstig abstürzen, dass ich haarscharf mit dem Nacken auf die Reling geschmettert wäre – hätte ich nicht in letzter Sekunde meine nagetierartigen Reflexe aktiviert und mich abgefangen. Glück gehabt. Ein Nackenbruch am ersten Tag macht sich im Fangbuch einfach nicht gut.
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Das Haus selber ist allerdings der absolute Hammer. Alles brandneu und zweifelsohne von einem Angler mitgestaltet und einer Frau dekoriert. Zwei Bäder, große Küche, edle Möblierung – alles vom Feinsten. Die Gefriertruhe ist für die veranschlagten 6 Personen allerdings etwas sportlich-klein bemessen.
Die Boote sind Øien 620F mit 60-PS-Motor, scheinbar ebenfalls fabrikneu. Der Bootssteg ist ein überdachter, schwimmender Filetierplatz, der sogar zwei Sitzbänke bietet. Jemand hat hier tatsächlich mitgedacht und an den Seitenwänden aufrollbare Persenninge angebracht, falls das norwegische Wetter mal wieder seitlich unter das Dach peitscht. Auf der anderen Seite des Hauses liegt eine aufgeschüttete Insel mit zwei kleinen Grills und Bierbänken – leider ohne Dach. Insgesamt aber wirklich ein Spitzen-Objekt!

Es gab erst mal Kaffee. Und Kanel Snurren
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Danach hielt es uns natürlich nicht mehr. Hasepups und ich mussten unbedingt sofort einen reinhalten. Angeln, ne? Angeln JETZT, ne???
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Hasepups verhaftete direkt eine fette Makrele, die alsbaldig als Köderfisch herhalten wird. Weiter gab es dann erst mal nix, außer ein paar kleinen Pollacks. Die Nachbarn im anderen Doppelhaus fingen immerhin einen Plattfisch auf Grundmontage.

Später beim Abendessen war es ausgesprochen schwer, die Aufmerksamkeit meiner Mitbewohner zu erlangen. Beide starrten permanent an mir vorbei aufs Wasser und beobachteten mit akribischer Faszination die Fischringe. Das Ganze war begleitet von riesigen Augen, reflexartigem Zucken und ehrfurchtsvollem "Oahhh" und "Ohhh". Es war exakt so, als würde man mit einem eingefleischten Fußballfan essen gehen, während direkt hinter deinem Kopf das Champions-League-Finale läuft.
Plötzlich von Hasepups ein gellendes: "Ahhhh!!!"
Ich drehte mich um und sah direkt vor unserer Terrasse Blasen aufsteigen. Der Stuhl neben mir flog mit lautem Scheppern um und Hasepups rannte ekstatisch los, um sich ihre Rute zu greifen. Es kostete meinen Mann und mich gut fünf Minuten harter Überzeugungsarbeit, um sie davon abzuhalten, ins Meer zu springen. Wir mussten ihr schonend beibringen, dass diese Luftblasen von irgendeiner technischen Anlage am Haus verursacht werden. Abwasserpumpe oder so. Ernüchtert stellte sie fest "das ist, weil unsere Kacke hier schwimmt? Jetzt will uch hier nicht mehr angeln!!" Ein herrlicher Anblick, diese pure, hektische Panik in ihren Augen, weil sie dachte, da raubt gerade der Fisch ihres Lebens.

Gegen Mitternacht ging es schließlich ins Bett.
Heute scheint bisher die Sonne, später soll allerdings Regen aufziehen.
Die Betten sind wirklich viiiel zu weich – das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ich schon wieder hoch bin. Zudem ist das Haus extrem hellhörig und die Treppe klingt beim Begehen exakt so, als würden fünf Elefanten in einem dänischen Holzlager Handball spielen. Leise Aufstehen ist hier schlicht unmöglich.
Nun schauen wir mal, was der Tag bringt!
 
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